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Geschichte

Die Entstehung der Landesberufsschule Christian Josef Tschuggmall“

Die Entstehung und Entwicklung der Berufsschule in Brixen (erst später wurde sie zur Landesberufsschule „Christian Josef Tschuggmall“) vollzog sich in gewisser Weise parallel zur wirtschaftlichen Entwicklung Südtirols: Bescheiden war der Start der Schule in den 50er Jahren: hervorgegangen aus „einfachen Sonntagskursen“ blühte sie jedoch binnen kurzer Zeit zur beliebten Ausbildungsstätte auf und schaffte es im Laufe der Jahrzehnte den Anforderungen der arbeitgebenden Betriebe wie auch der Bedürfnisse der Lehrlinge und Fachschüler gerecht zu werden, dank eines vielfältigen und zeitgemäßen und immer wieder angepassten Bildungsangebots.

50er und 60er Jahre

Mit dem 1. Autonomiestatut 1948 erhielt Südtirol die primäre Gesetzgebungsbefugnis in den Bereichen Fortbildungsunterricht und Berufsbildung in Landwirtschaft, Handel und Gewerbe sowie Handwerk. Somit konnten Anfang der 50er Jahre die ersten Kurse für Lehrlinge berufsbegleitend am Abend abgehalten werden. Diese wurden aber bald zu Halbtags- bzw. Ganztags-„Kursen“. Wegen der steigenden Nachfrage wurde in Brixen 1955 die Tischlerei Gummerer in der „Fischzucht“ angemietet. Im selben Jahr wurde die Berufsschulpflicht eingeführt, die formale (schulische) Ausbildung als Teil der „dualen“ Ausbildung der Lehrlinge war damit ein Recht wie auch eine Pflicht.

Mit Gründung und auch Ansiedlung der ersten Industriebetriebe in Brixen in den 60er Jahren entstand die Metallfachschule, zumal dringend ausgebildete Facharbeiter benötigt wurden. Schnell stieg die Schülerzahl an und die zu Beginn zweijährige Ausbildung wurde auf drei Jahre aufgestockt. Folglich reichten die Räume der alten Tischlerei nicht mehr aus und es wurden verschiedene Außenstellen – wie auch im benachbarten „Rücksiedlerhaus“ - angemietet.

70er und 80er Jahre

Nach dem generellen Wirtschaftswachstum, der auch die Schülerzahlen ansteigen ließ, war es um 1980 zu einer Wirtschaftskrise gekommen. Besonders 1979 bis 1981 herrschte Lehrstellenmangel. Um die Jugendlichen von der Straße zu holen wurde im Herbst 1981 der „Grundlehrgang für das Handwerk“ an der Brixner Berufsschule angeboten. 1982 folgte der Grundlehrgang für Handel und Verwaltung.

Bautechnisch kamen auch einige Änderungen auf die Tschuggmall zu. 1979/1980 wurde direkt unterhalb der ehemaligen Gummerer-Tischlerei mit dem 1. Baulos für ein neues Schulgebäude begonnen. 1981 war es, samt Klassenräumen und Labors, bezugsfertig. Im Schuljahr 1984/1985 wurde die ehemalige Tischlerei und das langjährig genutzte Schulgebäude abgerissen und ein zweites Baulos mit weiteren Werkstätten errichtet.

90er Jahre bis heute

In den 90er Jahren stabilisierte sich die wirtschaftliche Lage in Brixen. Nachdem 1983 die Bildungsangebote „Berufsfindung und Anlehre“ (damals noch mit der Bezeichnung „Sonderkurs“) für Jugendliche mit Beeinträchtigung eingerichtet wurden, reagierte die Berufsschule auch auf die neuen Ausbildungserfordernisse der sich rasant entwickelnden Technik mit neuen Lehrgängen. 1998 wurde die Fachschule für Holztechnik gegründet, 2003 führte die Schule die Fachrichtung Fachinformatik und die Fachschule für „Handel und Verwaltung“ ein. Seit 2015 ist es möglich, ausgehend von einer der vier Fachschulen (Metalltechnik, Holztechnik, Fachinformatik, Handel & Verwaltung) die Matura direkt an der LBS Tschuggmall abzulegen, nachdem seit 1997 Interessenten auf die Matura an der HTL in Innsbruck und Fulpmes vorbereitet wurden.

Die Wurzeln der Schule war und blieb aber immer auch „das Kerngeschäft“ Lehrlingsausbildung. Während es Ausbildungsrichtungen aus den Anfängen bald nicht mehr gab (z.B. die Ausbildung zu Schneidern), blieben die handwerklichen Berufe aus dem Metall- und Holzbereich und wurden immer weiter entwickelt. In der „Tschuggmall“ lernen Tischler, Bau- und Galanteriespengler, Schlosser und Schmiede, KFZ-Mechatroniker und Verkäufer ihr „Handwerk“. Bis auf die Tischler, die nur einmal in der Woche die Schule besuchen, kommen die anderen Lehrlinge zweimal im Jahr zu einem mehrwöchigen Unterrichtsblock.

Mit den neuen Ausbildungsmöglichkeiten sowie durch das Ansteigen der Schülerzahlen im Zuge der staatsweiten Erhöhung der Schul- und Bildungspflicht im Jahre 1999, reichte wiederum der Platz hinten und vorne nicht: Bereits 1996 wurde von der Landesregierung mit Landesrat Otto Saurer auf Vorschlag des damaligen Direktors Luis Zingerle ein ambitiöses Raumprogramm beschlossen – und umgesetzt: 1997 begannen die konkreten Planungsarbeiten für das neue Schulgebäude nach dem Projekt des Sterzinger Architekten Siegfried Delueg. 2002 zogen Schüler und Lehrer in die neuen Räumlichkeiten ein.

2016 feierte die Schule ihr 50-jähriges Bestehen.