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Berufsbildungszentrum "Christian Josef Tschuggmall" Brixen

Nachruf für Dr. Luis Zingerle

15.11.2022 | News

Dr. Luis Zingerle, der langjährige Direktor unserer Schule, ist gestern, 15.11.22 nach längerer Krankheit verstorben.

Bereits 1964, mit 31 Jahren und frisch promoviert, wurde ihm der Aufbau der Brixner Berufsschule anvertraut. Das waren in den Anfangsjahren eher noch Kurse zur Berufsertüchtigung, es war Not an allem, an Räumlichkeiten und Material; Lehrkräfte waren Autodidakten, die das Unterrichten weitgehend intuitiv – also noch ohne formale Ausbildung – leisteten.
Die „Gummerer Werkstatt“ - eine alte Tischlerei dort, wo heute der Metall-Ausbildungstrakt (Nebengebäude) steht, war Lernort für Metaller und Tischler. Die in Brixen aufkommende Industrie – z. B. Fa. Durst oder Fa. Leitner, wollten und brauchten „fertig ausgebildete“ junge Leute, während sich das Handwerk und der Handel im dualen Ausbildungssystem bemühten, Lehrlinge auszubilden zu lassen.
Das Suchen und Werben um Mittel, auch die Stille Hilfe wurde in den Nachkriegsjahren bemüht, standen im Vordergrund. Geld gab es kaum.
Direktor Zingerle verstand seine Arbeit in der Schule als Aufbauarbeit, seine vielen Kontakte halfen ihm, er war damals schon ein fähiger Netzwerker. Das Doppelamt – Stadtrat in Brixen und Schuldirektor, Lokalpolitik, auch führende Rollen im Schützenwesen – war damals noch denkbar, wenngleich es ständig vollen Einsatz erforderte, was nur durch guten Rückhalt durch die Familie, vor allem durch seine Frau Josefine, möglich war.
Nach und nach wurde Infrastruktur geschaffen, ein Neubau wurde realisiert, ein weiterer, eine zusätzliche Erweiterung dann in den 80ern.
Als Direktor Zingerle sich von seiner Zeit, in der er sich nur der Landespolitik widmete, Ende der 80er verabschiedete und wieder als Vollzeitdirektor in die Schule zurückkehrte, war er voller Visionen und unbändigem Tatendrang: Als Landespolitiker hatte er viele Möglichkeiten zu erkennen, dass gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Aufschwung nur in einem leistungsfähigen und zeitgemäßen Bildungssystem möglich ist. Als Direktor einer Berufsschule tat er alles, um bestehende Beschränkungen aufzubrechen und Weiterentwicklung zu forcieren. Die Ausstattung mit modernen computergesteuerten Maschinen im Bereich Maschinenbau kostete viel Geld, aber Direktor Zingerle verstand es zu überzeugen und eine Technikoffensive an der Schule einzuleiten, die damals – es begann erst langsam die Informatisierung aller Lebens- und Arbeitsbereiche – viele verwundert und ungläubig schauen ließ. Das berufliche Weiterbildungswesen im Land nahm an seiner Schule den Anfang. Teure Einrichtungen – eine einzige Maschine hatte damals den Kaufwert eines Einfamilienhauses – waren und sind dann ihr Geld wert, wenn sie nicht nur den Schülern, sondern auch den bereits Berufstätigen zur Verfügung stehen. Die enge Verzahnung von Grund- und Weiterbildung, das Hereinholen der Meisterausbildung in die Schule waren Konzepte, um die uns das benachbarte Ausland bis heute beneidet.
Wieso soll ein Fachschüler nicht zu einer Matura kommen können? Warum soll es in Südtirol nicht Technikerschulen geben, nach dem Vorbild erfolgreicher deutscher Regionen? Luis Zingerle trieb an und brachte in Gang – es war ihm dabei zur Not egal, auch den einen oder anderen Behördenmenschen vor den Kopf zu stoßen. Unterstützt vom damals zuständigen Landesrat Otto Saurer hatte er Rückenwind; das Ziel musste erreicht werden, die Schüler seiner Schule mussten im Bereich Bildung Aufstiegsmöglichkeiten haben.
1995 dann - im Herbst – wurde an die ersten Abgänger unserer Schule das Maturadiplom verliehen.

Der große Wurf dann noch – in den wenigen Jahren zwischen 1988 und 1995 – war die Grundsatzplanung der neuen Schule: Direktor Zingerle nutzte seine Verbindungen und seine sprichwörtlich gewordene Durchsetzungskraft, um für die Landesberufsschule, die inzwischen auf sein Betreiben nach „Christian Josef Tschuggmall“ benannt wurde, ein großzügiges Projekt zu sichern.
Heute ist „seine“ Schule, die „Tschuggmall“, nicht nur ein architektonisch auffallend gelungener Schulbau, dieses neue große Haus war die Voraussetzung, um weitere Ausbildungsmöglichkeiten zu schaffen: Die Berufsfachschulen für Holztechnik und Informatik waren damit möglich geworden.

Die „Tschuggmall“, ja die Berufsbildung im Land, verdanken viel dem Glücksfall, den „Zingerle“ als Direktor gehabt zu haben.

Er ruhe in Frieden.