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Berufsbildungszentrum "Christian Josef Tschuggmall" Brixen

Tschuggmall Figuren

Christian Josef Tschuggmall, geboren 1785 im Pitztal, stammte aus ärmlichsten Verhältnissen. Er war Kunsttischler, Mechaniker und Automatenbauer und gehört zu den verkannten Genies des alten Tirols. Sein Lebensweg war typisch für viele technisch Hochbegabte, denen in der Einbahnstraße aus Armut und mangelnder Förderung Erfolg zeitlebens versagt blieb.

Mit 18 Jahren wurde Tschuggmall Maschinist in der Baumwollfabrik in Imst, er beteiligte sich 1809 als Hauptmann des Landsturms am Tiroler Aufstand. In Schwaz versuchte er sich als Tischler, wurde jedoch von seinen Zunftkollegen nach Vorarlberg vertrieben. Sein Schwager Josef Posch, Domprediger und Vertrauter des Brixner Bischofs Karl Franz von Lodron, ermunterte die Familie zur Übersiedlung nach Brixen. Tschuggmall zog nach Vahrn und arbeitete als Drechsler und Seifensieder. Mit Krippenfiguren für den Bischof hielt er sich über Wasser – bis er 1819 bei einer Überschwemmung seinen gesamten Besitz verlor.

Um 1820 gastierte in Brixen der Kunsttischler, Krippenschnitzer und Mechaniker Matthias Tendler. Seine mechanischen Kunstreiter und Seiltänzer sorgten für großes Aufsehen und Bischof Lodron bestellte ein ähnliches Figurenkabinett bei Tschuggmall – gegen Versorgung auf Lebenszeit. Ab 1820 arbeitete dieser daran und bildete sich als Schlosser, Uhrmacher und Bildhauer aus. Seine Figuren baute Tschuggmall, der erst mit 20 Jahren mühsam lesen und schreiben gelernt haben soll, nach Phantasie und Gedächtnis.

Nach dem Tod seines Gönners zog Tschuggmall ab 1830 als Schausteller durch Europa. Zwar trat er in Wien vor dem Kaiserpaar auf, gastierte in Prag, Dresden und Hannover, brillierte in Petersburg vor der Zarenfamilie – zu Wohlstand kam er nie.

1845 starb Tschuggmall auf dem Weg nach Hessen an einem Schlaganfall. Das Stadtmuseum München kaufte 13 von Tschuggmalls Figuren. Sie gehören seither zu den wertvollsten Stücken der Puppentheatersammlung des Münchner Stadtmuseums.

Die Benennung des Berufsbildungszentrums war ein wichtiger Akt der Aufwertung des „ersten Tiroler Kybernetikers“ (Inga Hosp) und ein mahnender Hinweis darauf, wie notwendig ausreichende Bildungsqualifikationen zum persönlichen Fortkommen und zum gesellschaftlichen Fortschritt
sind.

Letzte Aktualisierung: 07/07/2026